25. Juni 2026

Kitzrettung in Dittersbach – früh aufstehen für das Leben

Der Wecker klingelt um halb vier. Draußen ist es noch dunkel, der Tau liegt schwer auf den Wiesen rund um Dittersbach. An der Wasserzisterne treffen sich Heiko Fließbach und Torsten Haas vom Jagdverein Hainichen sowie René Lüth, Ortsvorsteher von Dittersbach, als Drohnenpilot, dazu wechselnde Helfer je nach Einsatz. Die Seifersbacher Land AG hat für diesen Morgen die Mahd bestätigt. Die Zeit ist knapp.

Was folgt, sind Stunden, in denen man sehr genau versteht, warum das hier wichtig ist.

Warum Kitzrettung?

Rehkitze werden in den ersten Lebenswochen von der Ricke im hohen Gras abgelegt. Bei Gefahr drücken sie sich flach auf den Boden. Das schützt sie vor Füchsen, macht sie aber für moderne Mähwerke unsichtbar. Ein Mähwerk erfasst ein Kitz in Sekundenbruchteilen, ohne dass der Fahrer eine Chance hätte zu reagieren. Allein in Deutschland kommen nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes jährlich Hunderttausende Kitze, Junghasen und bodenbrütende Vögel bei der Frühjahrsmahd ums Leben. Mit der richtigen Technik lässt sich das verhindern.

Wärmebildkamera von oben

Bei der Suche kommt eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz, geflogen von René Lüth, Ortsvorsteher von Dittersbach. In der Morgendämmerung, wenn die Wiese noch kalt ist, leuchtet die Körperwärme eines Kitzes im Wärmebild deutlich auf. Ein heller Fleck im dunklen Grün. Was das Auge nicht sieht, sieht die Kamera.

Die Flächen werden systematisch Reihe für Reihe abgeflogen. Wenn ein Kitz geortet ist, geht es zu Fuß weiter. Das Tier wird behutsam aufgehoben, mit Handschuhen, damit kein menschlicher Geruch auf dem Fell bleibt, und vorsichtig in eine Kiste gelegt. Die Kiste kommt an den Wiesenrand, im Schatten und geschützt vor der Sonne. Sobald der Mäher durch ist, wird das Kitz wieder freigelassen. Die Ricke findet es.

Mehrere Wochen, wechselnde Teams

Die Kitzrettungen in diesem Frühjahr fanden über mehrere Wochen statt, an verschiedenen Terminen und mit unterschiedlichen Helfern. Aber jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis: kein Tier wurde verletzt. Die Zusammenarbeit zwischen Jagdverein, Drohnenpilot und den Freiwilligen war jedes Mal reibungslos und hochprofessionell.

Nicht alles läuft nach Plan

An einem der Einsatztage fiel der Mäher aus, technischer Defekt bei der Seifersbacher Land AG. Für ein Kitz, das bereits in Sicherheit war, keine schlechte Nachricht. Für das Team hieß es anderntags wieder raus, wieder 4 Uhr, wieder Zisterne. Genau so läuft das eben. Man plant, die Natur entscheidet mit.

Ein Dankeschön

Danke an Heiko Fließbach und Torsten Haas vom Jagdverein Hainichen für die Koordination und Organisation. Danke an alle Helferinnen und Helfer, die früh aufgestanden sind. Und danke an die Seifersbacher Land AG, deren Fahrer sich jedes Mal die Zeit genommen haben zu warten.

Wer bei der nächsten Kitzrettungssaison im Frühjahr dabei sein möchte, meldet sich einfach beim Jagdverein Hainichen. Frühaufsteher bevorzugt. 😄

← Zurück zur Übersicht